Aus der neuen Rubrik „Mitglieder schreiben uns …“ ein Artikel von Jessica Kühne aus Goslar:

Führerscheinkosten – Veränderungen und Auswirkungen auf die Jugendlichen

Diese Änderung betreffend des Führerscheins wollen vermutlich die Wenigsten der Jugendlichen hören:  Die Führerscheinkosten werden erstmals nach acht Jahren wieder erhöht.

Demnach steigt der Preis für die theoretische Prüfung von 9,30 Euro auf zehn Euro und der der praktischen Prüfungen von 71,40 Euro auf 77,10 Euro beziehungsweise von 94,80 Euro auf 102 Euro für Motorräder. Auslöser dafür seien laut des Bundesverkehrsministeriums Anträge von TÜV und Dekra aufgrund von steigenden Personal- und Sachkosten gewesen.

Aber ist der Erwerb des Führerscheins nicht schon unglaublich teuer hierzulande? Mit einem durchschnittlichen Preis von 1.500 Euro (Zahlen aus dem Jahr 2008) liegen wir im europäischen Vergleich mit an der Spitze – wobei Norwegen mit 3.000 Euro preislich bei weitem über allen anderen liegt, die Niederlande mit 1.800 Euro den zweiten Platz für sich beansprucht und von Island mit 1.500 – 1.800 Euro und Schweden mit 1.500 – 1.600 Euro gefolgt wird. Unsere Nachbarn dagegen haben es mit 250 – 300 Euro (Tschechien), 600 – 1.200 Euro (Belgien), 700 Euro (Italien) beziehungsweise 1.200 Euro (Frankreich und Österreich) wiederum deutlich besser.

Der Huffington Post (2015) zufolge gibt es Schätzungen, die besagen, dass die Zahl der Menschen, die einen Führerschein erwerben, heutzutage zu 90%   im Alter von 23 oder 24 sind (Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände). Das bedeutet, dass es immer weniger Jugendliche ab 17 oder älter gibt, die einen Führerschein zu dem Zeitpunkt als notwendig oder erstrebenswert ansehen. Liegt das an den Kosten? Das Geld würde stattdessen anderweitig investiert und gespart, z.B. für Reisen, Elektronik, Ausbildung oder bereits für die Altersvorsorge. In Anbetracht dieser Verschiebung scheint es schon der Fall zu sein, dass der Führerschein schlicht zu teuer ist oder das Geld an anderen Stellen mehr Nutzen aufweist. Aber es würde nicht nur an anderen Ecken gebraucht, sondern die modernen Automodelle würden immer teurer, was einen noch geringeren Anreiz bietet. Ebenso seien Autos in den besonders bei jungen Erwachsenen weiterhin beliebten Großstädten recht überflüssig, was dazu geführt habe, dass die Zahl der Autohalter innerhalb von 20 Jahren um ein Viertel abgenommen habe. Der Transport mit dem Auto würde stattdessen durch öffentliche Verkehrsmittel oder das sogenannte „Carsharing“ ersetzt.

Die besten Voraussetzungen für den Automobilmarkt sind dies also nicht – das Auto ist nicht mehr zwingend notwendig, die Interessen haben sich verschoben und an die Kosten möchte man als Jugendlicher gar nicht erst denken. Aber das muss auch keine negative Entwicklung darstellen, wenn man beispielsweise den Aspekt der Umwelt in Betracht zieht. So sind öffentliche Verkehrsmittel häufig wesentlich umweltfreundlicher (und kostengünstiger) und die Kohlendioxidemissionen zum Beispiel sind 2014 um 4,3% zurückgegangen, worauf der nicht unerhebliche Sektor „Verkehr“ einen recht starken Einfluss ausüben könnte.

 

http://www.spiegel.de/auto/aktuell/fuehrerschein-und-hauptuntersuchung-werden-teurer-a-1114174.html

http://www.auto-motor-und-sport.de/news/fuehrerschein-preise-in-europa-grosse-unterschiede-695755.html

http://www.huffingtonpost.de/2015/08/18/7-grunde-warum-immer-weniger-junge-deutsche-den-fuhrerschein-machen_n_8003748.html

 

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